16 häufig verwechselte Wörter, die uns ganz schön dumm dreinschauen lassen

16 häufig verwechselte Wörter, die uns ganz schön dumm dreinschauen lassen

Dass die deutsche Sprache eine ganze Menge Wörter hat, die leicht zu verwechseln sind, ist nicht der Kern des Problems. Wer ist schon in der Lage, aus dem Stand und ohne Zuhilfenahme des Duden den Unterschied zwischen „abstrus“ und „absurd“ oder „fraglich“ und „fragwürdig“ zu erklären? Das Problem besteht vielmehr darin, dass wir denken, Wörter im richtigen Kontext zu verwenden. Und uns dabei so richtig täuschen.

Häufig verwechselte Wörter

Keiner von uns ist davor gefeit, auch ich nicht. Wir schmeißen nur so um uns mit falsch verwendeten Wörtern – in E-Mails, in Meetings, sogar in wichtigen Dokumenten. Manchmal klingt das eigentlich falsche Wort für uns einfach schicker oder intellektueller, und schon ist der Schaden angerichtet. Ich bin gespannt, welches dieser häufig verwechselten Wörter das Potenzial hat, dich aus der Bahn zu werfen.

 

1. Webseite vs. Website

Diese zwei Begriffe wirken tatsächlich so, als meinten sie ein und dieselbe Sache – nur eben einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch. Aber weit gefehlt. Die „Website“ ist nämlich nicht einfach die englische Übersetzung für „Webseite“. Im Deutschen gibt es beide Begriffe und der Unterschied ist gar nicht so unwesentlich, aber lies selbst.

Website: Der Begriff Website bezieht sich auf die „Gesamtheit der hinter einer Adresse stehenden Seiten im World Wide Web“, also auf den Webauftritt oder die Webpräsenz eines Unternehmens.

Beispiel: Ich verkündete voller Freude, dass meine Website online war (ganz viele Seiten gingen schwuppdiwupp unter www.lingarts.com online – nicht nur die Webseite Die Top 10 der deutschen Sprachfallen – Teil 3).

Merke: Website = der gesamte Internetauftritt eines Unternehmens

Webseite: Die Webseite (Englisch: web page) ist nur ein einziges Dokument im World Wide Web, also eine Internetseite. Und genau hier liegt der Fehler so oft begraben: Wir meinen die gesamte Webpräsenz einer Firma, sagen wegen der großen klanglichen Ähnlichkeit aber fälschlicherweise Webseite dazu.

Beispiel: Endlich war meine Webpräsenz online; die meisten Besucher klickten auf die Webseite „Über mich“.

Merke: Webseite = eine einzige Seite eines Internetauftritts, zum Beispiel die Seite „Shop“ auf www.duden.de.

 

2. absurd vs. abstrus

Die Adjektive „abstrus“ und „absurd“ klingen beim ersten Hören zugegebenermaßen recht vornehm und schick. Oft wird uns eines dieser Adjektive von unserem Gegenüber vermutlich auch nur mit dem Ziel der Einschüchterung entgegengeworfen. Wenn derjenige, der „absurd“ oder „abstrus verwendet, die eigentliche Bedeutung ebendieses Wortes aber nicht kennt, wird die ganze Sache pseudointellektuell. Ich nehme mal den Duden zu Hilfe, um einen Erklärungsversuch zu starten:

absurd: widersinnig, misstönig, dem gesunden Menschenverstand völlig fern

Beispiel: Die Idee, mit nur vier Arbeitsstunden pro Woche Millionär zu werden, ist leider völlig absurd.

(Eine Idee bzw. ein Argument ist absurd, wenn es zwar logisch nachvollziehbar ist, aber dem gesunden Menschenverstand widerspricht.)

abstrus: verworren, schwer verständlich, ohne gedankliche Ordnung und daher unverständlich

Beispiel: Ich verstehe deine abstrusen Gedanken nicht, erkläre das doch mal etwas klarer.

(Eine Idee oder ein Gedanke ist abstrus, wenn er wirr/unklar und deshalb nicht nachvollziehbar ist.)

 

 

3. fraglich vs. fragwürdig

War die Reaktion deines Vorgesetzten auf deinen Wunsch nach einer Gehaltserhöhung fraglich oder fragwürdig? Prinzipiell kann sie ja beides sein, aber die Aussage ist jeweils eine völlig andere. Wenn die Reaktion deines Chefs „fraglich“ ist, wissen wir noch nicht, wie er reagieren wird, weil die Reaktion noch gar nicht eingetreten ist. Ist die Reaktion des Chefs „fragwürdig“, dann hat er bereits reagiert – wir betrachten seine Reaktion aber mit Skepsis.

fraglich: a) ungewiss, unsicher b) infrage kommend, betreffend

Beispiele:       Es ist noch mehr als fraglich, wer der Nachfolger unseres Bundeskanzlers wird.

                            Für die fragliche Nacht hat sie kein Alibi.

fragwürdig: zweifelhafter Natur, moralisch verdächtig

Beispiele:      Ihr Alibi ist mehr als fragwürdig.

                          Da hat Stefanie ja eine sehr fragwürdige Eroberung gemacht!

 

4. seit vs. seid

Dass die Begriffe „seit“ und „seid“ so häufig verwechselt werden, irritiert so manchen von uns ganz besonders. Schließlich könnte der Unterschied zwischen den beiden kaum größer sein – es handelt sich sogar um völlig unterschiedliche Wortarten.

seit: „seit“ ist ein Vorwort (Präposition) oder auch ein Bindewort (Konjunktion) und beschreibt einen zeitlichen Sachverhalt.

Beispiele:      Seit Jahren saß er in einer Villa in Argentinien.

                          Seit meiner Kindheit träume ich davon, den Nordpol zu bereisen.

seid: „seid“ ist die 2. Person Plural des Verbs „sein“: ihr seid

Beispiele:    Seid ihr verrückt?

                        Seid behutsam, wenn ihr sprecht.

 

5. Katheter vs. Katheder

Der Unterschied zwischen „Katheter“ und „Katheder“ ist im mündlichen Sprachgebrauch zwar kaum zu hören. Diese Begriffe zählen aber sogar laut Duden zu den am häufigsten verwechselten Wörtern der deutschen Sprache.

Katheter: Katheter bezeichnet das medizinische Röhrchen bzw. den Schlauch, also z. B. den Herzkatheter oder den Blasenkatheter.

Katheder: Das (auch: der) Katheder gilt als veraltet und bezeichnet das erhöhte Rednerpult eines Lehrers oder Professors.

 

6. effektiv vs. effizient

Arbeitest du eigentlich nur effektiv oder auch effizient? Gratulation am Rande, wenn du den Unterschied im Schlaf kennst, das geht nämlich nicht allen so.

Kurz zusammengefasst:

effektiv: wirksam, wirkungsvoll, nutzbringend; ich erreiche das gewünschte Ziel, und zwar egal wie

effizient: wirksam und wirtschaftlich; ich erreiche das gewünschte Ziel mit geringem Aufwand

Ein kleines und klassisches Beispiel habe ich aber noch, damit alle Zweifel bezüglich „effektiv“ und „effizient“ aus dem Weg geräumt sind.

Beispiel: Stell dir mal vor, du möchtest einen Baum fällen. Alle Maßnahmen, die du ergreifst, um den Baum zu fällen, sind effektiv. Du kannst dafür zum Beispiel eine Nagelfeile benutzen. Auch wenn das sehr lange dauert, kannst du nach etwa einem Jahr voller Mühen und Anstrengungen behaupten, effektiv gewesen zu sein – du hast den Baum ja zum Fallen gebracht. Du kannst aber natürlich genauso eine Motorsäge zu Hilfe nehmen, dann bist du nicht nur effektiv, sondern auch effizient. Die Nagelfeile wäre in unserem Beispiel also ein effektives Mittel, die Motorsäge aber wirklich effizient.

 

7. selig vs. seelisch

Auch wenn es nur allzu naheliegend erscheint: Das Wort selig leitet sich nicht von „Seele“ ab, sondern geht auf das althochdeutsche Wort „sälig“ (= gut, glücklich, gesegnet, heilsam) zurück. Die Begriffe „selig“ und „seelisch“ sind folglich in keinster Weise miteinander verwandt.

selig: Ein Blick in den Duden verrät: Der Begriff „selig“ hat mehrere Bedeutungen – im religiösen Sinne ist derjenige selig, der „erlöst“, „im Himmel/Paradies“, also aller himmlischen Wonnen teilhaftig ist. „Selig sein“ impliziert daneben auch ein tiefes Glücksgefühl, man ist „freudig“ bzw. „begeistert“ von einer Sache. Mit etwas Glück kann man von der katholischen Kirche aber natürlich auch „seliggesprochen“ werden.

Beispiele:    Wenn sie mit ihren Freunden spielen, sind die Kinder selig.

                         Ich schlummerte selig ein – selten hatte ich so gut gegessen.

seelisch: Hier verhält es sich anders: „seelisch“ bezieht sich wirklich auf die Seele; „seelisch“ = das Gemüt, die Psyche betreffend

Beispiele:    Die Krankheit hatte seelische Ursachen.

                        Er fand sein seelisches Gleichgewicht wieder.

 

8. Muslim vs. Islamist

Man kann den Unterschied gar nicht oft genug betonen, denn im öffentlichen Diskurs werden häufig nur unzureichende Differenzierungen zwischen Muslimen und Anhängern extremistischer Gruppierungen vorgenommen. Auch wenn der Unterschied zwischen „Muslim“ und „Islamist“ oft spitzfindig ist, lautet die Frage, die wir uns stellen müssen: Was ist noch Islam und was ist schon Islamismus?

Muslim = Anhänger des Islams: Wer an die Religion des Islams glaubt, ist Muslim bzw. Muslimin (im Plural Muslime bzw. Musliminnen/Muslima). Laut verschiedenen Quellen ist der Islam mit mehr als 1 Milliarde Anhängern nach dem Christentum immerhin die zweitgrößte Religion der Welt. Da die Prinzipien des Islams keineswegs den Heiligen Krieg lehren, distanziert sich die Mehrheit der Muslime von den Taten radikaler Islamisten.

Islamist = Anhänger des Islamismus: Der Islamismus ist eine fundamentalistische Form des Islams, die einer politischen und radikalen Ideologie gleichkommt. Ein Islamist sieht den Islam folglich nicht als rein religiöse Leitlinie, sondern instrumentalisiert den Islam für politische Zwecke und verfolgt extremistische Ideen. Islamisten sind gegen eine Trennung von Staat und Religion, missachten westliche Einflüsse und verstehen sich als Gegner der Demokratie.

 

Hast du auf Anhieb alle Bedeutungsunterschiede erkannt? Welche deutschen Wörter gibt es sonst noch, die zum Verwechseln ähnlich sind? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar.

Sandra Götz

Sandra Götz

sandra.goetz@lingarts.com

Sandra ist Inhaberin von LingArts und arbeitet hauptberuflich mit der wunderschönen Welt der Sprachen und der Kommunikation. Als Dolmetscherin, Sprachtrainerin und Lektorin sorgt sie für eine reibungslose Kommunikation in den Sprachen Deutsch, Spanisch, Italienisch und Englisch.

4 Kommentare
  • Reinhard Pohl

    12. Mai 2016 at 18:52

    Häufig verwechselt werden „scheinbar“ und „anscheinend“.
    Dabei ist das eine das Gegenteil vom anderen.

    • Sandra Götz

      Sandra Götz

      12. Mai 2016 at 22:22

      Lieber Reinhard,
      danke für deinen Kommentar. Das ist wirklich ein gutes Beispiel für unsere Sprachverwirrtheit. 😉
      Den Unterschied zwischen „scheinbar“ und „anscheinend“ habe ich übrigens auch in meine persönlichen Top 10 der deutschen Sprachfallen als Nummer 8 aufgenommen: http://www.lingarts.com/die-top-10-der-deutschen-sprachfallen-teil-3/

      Liebe Grüße
      Sandra

  • Niklas

    3. Januar 2017 at 19:29

    Was auch interessant ist:

    umfahren und umfahren

    Je nach Betonung ergibt es das exakte Gegenteil.

    • Sandra Götz

      Sandra Götz

      3. Januar 2017 at 19:42

      Stimmt, das ist ja witzig! Darüber habe ich noch nie nachgedacht. 😉

      LG
      Sandra