Lerntipps für Sprachen: 7 typische Probleme, die gar keine sind

Lerntipps für Sprachen: 7 typische Probleme, die gar keine sind

Mit dem Erlernen einer Fremdsprache verhält es sich wie mit dem Verliebtsein. Wir liebäugeln mit einer neuen Sprache und fühlen uns zunächst unbesiegbar. Doch plötzlich folgt auf die ersten Erfolgserlebnisse ein Tief. Du weißt sicher, wovon ich spreche.

Schriftzug "Possible"Ein bestimmtes Wort will einfach nicht in deinen Kopf. Die Aussprache deines Kollegen klingt irgendwie immer besser. Und was dieser Italiener da mit gefühlten 3000 Wörtern pro Minute von sich gibt – keine Ahnung.

Das ist aber noch lange kein Grund zum Verzweifeln, denn so ergeht es jedem von uns mal. Jeder kleine Erfolg zählt. Und damit deine Kette an Erfolgen nicht abreißt, verwendest du am besten gleich ein ganzes Sammelsurium an Methoden und Tricks. Ich verrate dir hier einfache Lerntipps mit ganz großer Wirkung. Damit zwischen der Fremdsprache und dir eine richtige Liebesbeziehung entstehen kann.

„Ich merke mir die Vokabeln einfach nicht.“

Ohne Vokabeln geht ja bekanntlich nichts. Unser Wortschatz ist natürlich die Basis für eine funktionierende Verständigung in jeder Sprache. Manche Wörter wollen aber einfach nicht in unseren Kopf.

1. Suche dir einen Lernpartner und übe gemeinsam:

Hol dir jemanden ins Boot, mit dem das Lernen Spaß macht, und prüft euch einzelne Vokabeln mehrmals am Tag in den verschiedensten Situationen ab (geht auch per WhatsApp). Das kostet nicht viel Zeit, hilft dir aber, das Wort zu verinnerlichen.

Das geht natürlich auch online ganz wunderbar: Auf Italki findest du kostenlos Sprachtandems aus aller Welt und kannst dich ganz unkompliziert sogar mit Muttersprachlern deiner Zielsprache vernetzen. Zusätzlich bieten professionelle Sprachtrainer Unterricht per Skype für alle Sprachkombinationen und Budgets an.

2. Denke in Bildern und baue Eselsbrücken:

Klingt ein fremdsprachlicher Begriff ähnlich wie ein deutschesEsel Wort? Bilde eine Eselsbrücke oder denke in Bildern. „Soaking“ (dt. durchnässt) klingt z. B. wie „Socke“, also stelle ich mir beim Lernen einfach eine triefende Socke vor. Dafür eignen sich aber nicht nur ähnlich klingende Wörter, sondern auch Reime, Assoziationen oder Erinnerungen. Auf dieselbe Art lassen sich übrigens auch Grammatikregeln lernen, z. B. bei der Verwendung von „much/many“ im Englischen: „Lassen sich die Nomen zählen? Many wählen!“

3. Lege Karteikarten an:

Verwende Karteikärtchen und notiere vorne das deutsche Wort, hinten die Übersetzung. Vokabel, die du bereits beherrschst, kannst du aussortieren. Die restlichen werden am besten an unterschiedlichen Tagen wiederholt, bis sie wirklich sitzen. So lernst du wirklich nur jene Vokabeln, die du noch nicht kannst, und sparst viel Zeit.

4. Lerne schwierige Vokabel in ganzen Sätzen:

Formuliere kurze Sätze mit den schwierigsten Vokabeln, anstatt sie völlig isoliert zu lernen. Auf diese Weise kannst du sie im Kontext benutzen und verknüpfst sie einfacher.

„Ich kann bestimmte Verben nicht konjugieren.“

Merkst du dir die Konjugation dieses neuen Verbs einfach nicht? Wir alle verlieren mal den Überblick angesichts der vielen Zeiten und Verbformen. Damit du auch die x-te Vergangenheitsform noch in deinen Kopf bekommst, hier meine persönlichen Tipps dazu:

1. Gestalte bunte Plakate

Ich schreibe mir die wichtigsten Verben z. B. auf ein A3-Blatt auf und hänge es an die Wand im Bad. So lese ich die Tabelle etwa beim Zähneputzen morgens und abends – und das ganz ohne zusätzlichen Zeitaufwand. Für die Gestaltung der Verbplakate sollte man auch verschiedene Farben nutzen, denn die erleichtern uns das Merken.

2. Überlege dir eine Melodie/einen Rhythmus

Neben Farben helfen auch Musik oder Rhythmik, um sich Abfolgen besser einzuprägen. Nutze bekannte Melodien und sprich oder sing (je nach Gesangstalent ;)) die Konjugation im selben Takt. Schon die Kleinen lernen so das ABC. Ich finde z. B. dieses Kindervideo für das Erlernen des italienischen Alphabets ganz wunderbar: Canzone dell’Alfabeto ABC

3. Übe die Konjugation von Verben online

Kennst du schon den Online-Konjugationstrainer von Vocabulix? Hier kannst du Verbformen für die Sprachen Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch ganz einfach und nebenbei trainieren, wenn du mal fünf Minuten übrig hast. Wähle einfach deine Mutter- und deine Fremdsprache und die Zeiten, die du wiederholen möchtest.

„Ich habe Probleme mit der Aussprache.“

Das größte Kompliment, das uns ein Muttersprachler machen kann: Er merkt gar nicht, dass wir selbst gar keine Muttersprachler sind. Um eine Fremdsprache möglichst akzentfrei zu sprechen, müssen wir uns einerseits die Unterschiede zu unserer Muttersprache bewusst machen und andererseits ohne Hemmungen an die neue Sprache herangehen. Während Deutsch z. B. sehr hart klingt, empfinden wir das Spanisch oder Italienische als leidenschaftlich oder hektisch. Besonderheiten wie das sehr stark rollende „r“ oder die Betonung durch Acentos bereiten im Spanischen anfangs Probleme. Hier drei Tricks, um in der Aussprache sattelfest zu werden.

1. Höre so oft wie möglich Muttersprachlern zu

Viel spannender und abwechslungsreicher als klassische Retro-RadioLern-CDs mit Hörübungen finde ich es, Radio oder Fernsehen in der jeweiligen Sprache zu nutzen. Auf Delicast gibt es kostenlose Live-Streams von Fernseh- und Radiosendungen aus der ganzen Welt für fast alle Sprachen.

Für Fortgeschrittene bietet es sich es auch an, Lieblingsserien in der Fremdsprache zu schauen. Und mein Lieblingstipp: Höre so oft wie möglich Musik in deinen Fremdsprachen, dann lernst du im Vorbeigehen. Wer ist denn z. B. dein italienischer Lieblingsinterpret?

2. Nutze die Lautsprache-Funktion bei Online-Wörterbüchern

Hast du Probleme mit der Aussprache einzelner Wörter, so kannst du die Sprachfunktion von Online-Wörterbüchern (z. B. LEO oder Pons) nutzen. Häufig kann man hier etwa auch zwischen dem Herkunftsland des Sprechers wählen (z. B. amerikanische/britische Aussprache).

3. Führe Selbstgespräche

Leider hat niemand von uns ständig einen Muttersprachler zum Praktizieren der neuen Fremdsprache an seiner Seite. Mein Tipp klingt anfangs gewöhnungsbedürftig, hilft aber enorm: Sprich mit dir selbst. Indem du die Wörter laut aussprichst, bekommst du ein Gefühl für die Sprache und übst gleichzeitig das Bilden von Sätzen.

„Ich verwechsle die Sprachen, die ich lerne.“

Das kennt jeder: Ich schreibe z. B. eine E-Mail auf Spanisch und fast wie von Geisterhand schleichen sich immer wieder französische Wörter rein, ohne dass ich es merke. Gerade bei strukturell sehr ähnlichen Sprachen ist diese Verwechslungsgefahr (die sogenannte sprachliche Interferenz) am größten. Im Italienischen und Spanischen werden z. B. die folgenden Begriffe gerne verwechselt: „lampada“ und „lámpara“ für Lampe sowie „come“ und „como“. Wie kannst du das nun vermeiden?

1. Eins nach dem anderen

„Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen.“ – So verhält es sich auch mit Sprachen. Grundsätzlich ist es nicht zu empfehlen, dass du mehr als eine neue Sprache gleichzeitig lernst. Nimm dir lieber eine nach der anderen vor, so behältst du deine Motivation und vermeidest Verwechslungen.

2. „One step at a time“: eine Sprache pro Tag

Lässt es sich nicht vermeiden, dass du zwei Sprachen zur selben Zeit lernst, dann wechsle zumindest nicht innerhalb eines Tages. Entscheide dich also, ob du heute lieber einen Spanisch- oder Italienisch-Tag machst.

„Ich habe Angst, Fehler zu machen.“

„Angst“ und Perfektionismus sind deine allergrößten Feinde beim Sprachenlernen, also gib ihnen keine Chance. Wirklich niemand spricht eine Sprache sofort fehlerfrei. Du darfst nicht nur Fehler machen, du musst sogar, wenn du weiterkommen möchtest. Lass nicht zu, dass deine Angst vor Fehlern dich am aktiven Sprechen hindert.

1. Mach eine Sprachreise

Sprachreisen, egal ob über Anbieter wie EF, Esl oder SfaJunge Frau mit Weltkugel organisiert, nehmen dir die Scheu im Umgang mit der Sprache und geben dir die Möglichkeit, die Sprache auch aktiv zu nutzen. Plus: Neben Sprachsicherheit gewinnst du neue Freunde und siehst andere Länder.

Eine günstige Alternative zu den großen Anbietern: Such dir eine Unterkunft in deinem Zielland über Seiten wie Airbnb und nutze vor Ort Intensivsprachkurse. Auf diese Weise sparst du Geld und kommst trotzdem zum selben Ergebnis.

2. Nutze deinen Sommerurlaub oder Städtetrip

Ist eine extra Sprachreise im Budget oder im Zeitplan nicht drin, eignen sich auch Urlaube, um neben Kultur und Leuten die Sprache besser kennenzulernen. Muttersprachler reagieren meist sehr positiv, auch wenn du nur ein paar Wortfetzen kannst – trau dich! Versuche, auf Spanisch Essen zu bestellen, auf Italienisch im Supermarkt einzukaufen oder auf Französisch nach dem Weg zu fragen. Die Angst schwindet mit der Übung.

„Es geht nichts weiter – ich verliere die Motivation.“

Ich habe es schon angesprochen, jeder hat seine Hochs und Tiefs. Die Lernkurve geht nicht kontinuierlich steil nach oben, sondern auf und ab. Nachfolgend ein paar Ansätze, falls du mal auf der Suche nach deiner Motivation bist. 😛

1. Lernziele in kleinen Schritten

Ziele motivieren, deshalb steck dir leicht zu erreichende Lernziele, die du in naher Zukunft anpeilst. Wichtig dabei: Denk in kleinen Schritten und bleib realistisch. Rom wurde ja bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut. 😉

Möchtest du kleine Pausen des Alltags sinnvoll nutzen, z. B. in der U-Bahn, im Wartezimmer beim Arzt oder in der Schlange an der Supermarktkassa? Dann ist die kostenlose Fremdsprachen-App Duolingo ganz wunderbar. Duolingo bietet Minilektionen für Spanisch, Französisch und Englisch an. In kleinen Häppchen lernt es sich ganz leicht – die App ist fast zu gut, um kostenlos zu sein.

2. Sorge für Abwechslung beim Lernen

Leg mal das Buch weg und nutze andere Lernmedien wie CDs, Hörbücher, Videos, Radiosender, Podcasts, Karteikarten oder Sprachzeitungen. Abwechslung beugt Langeweile vor und gleichzeitig sprichst du andere Sinne an.

Eine tolle Sprachzeitung für Spanisch ist z. B. Ecos, für Italienisch Adesso.

Im Internet gibt es eine große Auswahl an kostenlosen Podcasts für alle Sprachniveaus, mit denen man perfekt die Hörkompetenz trainieren und Vokabular auffrischen kann. Für Italienisch kann ich http://www.learnitalianpod.com/category/beginner/ wärmstens empfehlen, für Spanisch z. B. http://languagetreks.com/individual/podcasts.

3. Suche nach Gleichgesinnten

Versuch dich mit anderen Sprachneulingen zu vernetzen – online und im realen Leben. Du wirst sehen, ihr habt dieselben Probleme und könnt euch gegenseitig Mut machen. Ein Tipp sind beispielsweise Facebook-Gruppen, in denen du dich mit anderen Sprachenlernenden austauschen kannst oder das oben erwähnte Italki, wo du dich mit Sprachpartnern aus aller Welt vernetzen kannst.

„Ich verstehe Muttersprachler nicht, das geht mir zu schnell“

Hört man Natives beim Sprechen zu, scheint da ein einziges Wörter-Kuddelmuddel rauszukommen. Da beschleicht uns schnell das Gefühl, nichts zu können. Sei beruhigt – es geht niemandem anders. Du musst dir nur zu helfen wissen:

Comic-Kindersendung1. Sieh dir Kindersendungen an

Wenn dir klassische Radio- oder Fernsehsendungen in der Fremdsprache einfach noch zu schnell sind, probiere es mit Kinderfernsehen oder Online-Kindersendungen. Neben einfacheren Vokabeln wird weniger und langsamer gesprochen.

2. Beobachte und hör auf dein Bauchgefühl

Du musst gar nicht jedes einzelne Wort verstehen, um dich erfolgreich verständigen zu können. Verstehst du ein paar Wörter deines Gegenübers, dann nutze dessen Mimik, Gestik und deine Intuition, um den Zusammenhang herzustellen. Wenn du einen Satz nicht verstehst, scheu dich nicht davor, nachzufragen. Das würdest du in deiner Muttersprache schließlich auch machen.

Katrin Zulechner

Katrin Zulechner

katrin.zulechner@lingarts.com

Katrin ist Expertin in der Media- und Kommunikationsberatung. Bei LingArts kümmert sie sich mit viel Herzblut um das Marketing und die Kundenberatung.

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