16 beliebte Redewendungen: Aber wo kommen sie her?

16 beliebte Redewendungen: Aber wo kommen sie her?

Wir haben schon mal sprichwörtlich „ein Brett vor dem Kopf“, „Tomaten auf den Augen“ oder sind „auf dem Holzweg“. Wenn wir ein Unglück noch abwenden können, sind wir „aus dem Schneider“, läuft es doch schief, geht es halt „in die Binsen“. Und manchmal kaufen wir sogar „die Katze im Sack“. Sprichwörter und Redewendungen sind in aller Munde und zudem optimale Stilmittel, um einen Text idiomatisch zu gestalten. Wo aber kommen diese Redewendungen her? Wir haben uns der beliebtesten Redensarten angenommen und erklären in diesem Beitrag ihre Herkunft.

 

1. Tomaten auf den Augen haben

Redewendung Tomaten auf den AugenBedeutung: etwas übersehen, etwas nicht bemerken, nicht sehen

Herkunft: Diese Redewendung kommt aus dem mittelalterlichen Spanien, wo die Tomate (in Österreich natürlich der Paradeiser) lange als Frucht der Sünde galt. Betrüger, Diebe oder Ehebrecher hörten deshalb oft das Gerichtsurteil: „tomates en los ojos“ – auf Deutsch „Tomaten auf die Augen!“

 

Als Strafe mussten die verurteilten Verbrecher wochen- und manchmal gar monatelang mit vor die Augen gebundenen Tomaten herumlaufen, sodass jeder in der Stadt von dem Verbrechen erfuhr. Diese öffentliche Demütigung war für die Betroffenen nur schwer zu ertragen.

Einer anderen Erklärung zufolge bedeutete diese Wendung ursprünglich „übernächtigt, verschlafen aussehen“ und bezog sich auf gerötete Bindehäute und verquollene Augenpartien.

 

2. den Löffel abgeben

Bedeutung: euphemistisch für sterben

Herkunft: Bezüglich der Herkunft dieser Wendung gibt es verschiedene Deutungsansätze. Einer davon: In bäuerlichen Gemeinschaften erhielt jedes Kind einen eigenen Holzlöffel, der bis zum Lebensende immer mitgetragen wurde. Ihn „abzugeben“ war also gleichbedeutend mit „kein Lebensrecht mehr haben“. Auch ein Knecht erhielt leihweise einen Löffel. Wenn dieser weiterzog oder verstarb, musste er den Löffel abgeben, damit ihn der Nächste bekam.

 

3. jemandem auf den Leim gehen

Bedeutung: von jemandem betrogen, überlistet bzw. getäuscht werden

Herkunft: Diese Redewendung rührt von der früher recht grausamen Art her, Vögel zu fangen. Zweige oder Ruten wurden mit Leim beschmiert, sodass die Vögel daran kleben blieben. Sie gingen dem Fallensteller also sprichwörtlich „auf den Leim“.

 

4. die Katze im Sack kaufen

Katze im Sack

Bedeutung: sich auf Unbekanntes einlassen; etwas ungeprüft kaufen (und dabei übervorteilt werden)

Herkunft: Diese Redewendung geht darauf zurück, dass betrügerische Händler im Mittelalter ihren unachtsamen Kunden oft wertlose Katzen statt Hühnern, Ferkeln oder Kaninchen unterjubelten und sich auf diese Weise bereicherten.

 

 

 

5. jemanden an den Pranger stellen

Bedeutung: öffentlich beschuldigen, jemanden anprangern

Herkunft: Im Mittelalter war es üblich, bestimmte Verbrechen damit zu bestrafen, dass man einen Übeltäter an einen auf einem öffentlichen Platz stehenden Pfahl – den Pranger – ankettete, um ihn der allgemeinen Verachtung und dem Hohn preiszugeben.

 

6. nur Bahnhof verstehen

Bedeutung: nichts verstehen oder nichts verstehen wollen

Herkunft: Die Wendung „Ich verstehe nur Bahnhof“ geht auf den Ersten Weltkrieg zurück. Die Eisenbahn galt als unangefochtenes Transportmittel Nummer eins und auch in Kriegen wurden damit Kriegsgeräte, Verpflegung etc. an die Front gebracht. Für die Soldaten war der Bahnhof jedoch Sinnbild für die Heimkehr – wer zum Bahnhof durfte, konnte gesund nachhause zurückkehren. Dieser sehnliche Wunsch nach der Heimreise war so vorherrschend, dass Soldaten oftmals nur noch den Bahnhof im Kopf hatten, also „nur noch Bahnhof verstanden“.

 

7. ein Brett vor dem Kopf haben

Redewendung Brett vor dem KopfBedeutung: etwas Offensichtliches nicht verstehen, begriffsstutzig sein

Herkunft: Dieser Ausdruck hat in seinem Ursprung nichts mit dem Denkvermögen einer Person zu tun. Er geht darauf zurück, dass Bauern störrischen Ochsen früher ein Brett vor den Kopf hängten, um einfacher mit ihnen arbeiten zu können. Auf diese Weise waren die Ochsen weniger schreckhaft, wenn ihnen zum Beispiel Geschirr angelegt wurde. Wenn wir ein Brett vor dem Kopf haben, sind wir also dumm wie ein Ochse.

 

8. aller guten Dinge sind drei

Bedeutung: Sagt man, wenn etwas erst nach dem dritten Anlauf klappt; um die Zahl 3 positiv hervorzuheben

Herkunft: Was kaum jemand weiß: Diese Redewendung geht auf die alten Germanen und genau genommen auf die Rechtssprache zurück. Unter einem „Ding“ verstand man damals keine Sache, sondern eine Gerichtsverhandlung. Wer zu Gericht vorgeladen wurde und dreimal nacheinander nicht zum Termin erschien, konnte auch in Abwesenheit verurteilt werden. Der Kläger gewann dann automatisch, deshalb sind und waren „aller guten Dinge drei“.

 

9. auf dem Holzweg sein

Bedeutung: im Irrtum sein

Herkunft: Mit dem Holzweg ist der Weg gemeint, der zur Holzabfuhr dient. Wenn Wanderer den Holzweg nahmen, um zur nächsten menschlichen Siedlung zu gelangen, kamen sie nicht weiter; sie gelangten nur dorthin, wo einst ein Baum gefällt worden war. Der Holzweg war also der falsche Weg.

 

10. das kommt mir spanisch vor

Redewendung nur spanisch verstehenBedeutung: Das kommt mir seltsam bzw. unverständlich vor

Herkunft: Diese umgangssprachliche Redensart geht wohl auf die Zeit zurück, als Karl V., ein Spanier, die deutsche Kaiserkrone trug. Die Deutschen lernten erstmals spanische Mode, spanische Sitten und Bräuche kennen und diese kamen ihnen naturgemäß fremdartig und seltsam vor. Das spanische Gegenstück hierzu ist „esto me suena a chino“, also „das kommt mir chinesisch vor“.

 

11. etwas ausbaden müssen

Bedeutung: die Folgen von etwas tragen müssen, was meist ein anderer verschuldet hat

Herkunft: Diese Wendung kann damit erklärt werden, dass in öffentlichen Badestuben des Mittelalters üblicherweise mehrere Personen nacheinander das kostbare Badewasser verwendeten. Natürlich hatte jener Badegast die schlechteste Karte, der den Bottich als Letzter „ausbaden“ musste – das Wasser war nicht mehr sehr warm und nur noch bedingt sauber. In dieser übertragenen Bedeutung ist die Wendung seit dem 16. Jahrhundert belegt.

 

12. einen Zahn zulegen

Bedeutung: die Geschwindigkeit steigern

Herkunft: Einschlägige Wörterbücher liefern hier zwei unterschiedliche Bedeutungserklärungen. Einige orten den Ursprung dieser Redewendung bereits im Mittelalter, als das Essen in einem Topf über dem Feuer zubereitet wurde. Der Topf hing dabei an einer Schiene mit mehreren Zacken, auch „Zähne“ genannt. Sollte das Essen schneller fertig werden, hängte man den Topf einen Zacken tiefer und erhöhte so die Temperatur im Topf. Nach anderen Quellen entstammt diese Wendung erst dem 20. Jahrhundert und wird ganz allgemein auf Motoren zurückgeführt. Deren Drehzahl ließ sich nur stufenweise regeln. Wollte man die Geschwindigkeit steigern, musste in eine höhere Stellung eingerastet werden.

 

13. aus dem Schneider sein

Redewendung aus dem Schneider seinBedeutung: eine schwierige Situation überwunden haben

Herkunft: Diese Redensart geht auf das Skatspielen zurück. Der Beruf des Schneiders war früher nicht sehr angesehen: Wer Schneider war, taugte nicht zum „richtigen“ Arbeiten. „Schneider sein“ bedeutete beim Kartenspielen, weniger als die Hälfte der erforderlichen Punkteanzahl zu haben. War der Spieler „aus dem Schneider“, war der Verlust weniger hoch.

 

 

14. den Faden verlieren

Bedeutung: vergessen, was man eigentlich sagen wollte

Herkunft: Die Wendung kommt vermutlich aus dem Bereich des Spinnens und Webens. Wenn man den Faden aus der Hand rutschen ließ, störte das die Arbeit und bedeutete einen Zeitverlust.

 

15. in die Binsen gehen

Bedeutung: verloren gehen, zunichtegemacht werden

Herkunft: Binsen sind in diesem Zusammenhang Schilf und diese aus dem 19. Jahrhundert stammende Redensart bezieht sich auf die Entenjagd. Wenn ein Jäger eine Wildente traf und diese im Schilf landete, konnte der Jagdhund sie nicht mehr finden; sie ging sprichwörtlich „in die Binsen“.

 

16. Dreck am Stecken haben

Bedeutung: sich etwas zuschulden kommen lassen

Herkunft: Man hat sprichwörtlich „Dreck am Stecken“, weil man nach einer Wanderung oder einem Ausflug oft verschmutzt zurückkehrt. Manchmal kann man nur noch am Spazierstock erkennen, dass jemand durch Schmutz gewatet ist. Während die Kleidung danach gereinigt wird, wird der Stock üblicherweise vergessen.

 

Sandra Götz

Sandra Götz

sandra.goetz@lingarts.com

Sandra ist Inhaberin von LingArts und arbeitet hauptberuflich mit der wunderschönen Welt der Sprachen und der Kommunikation. Als Dolmetscherin, Sprachtrainerin und Lektorin sorgt sie für eine reibungslose Kommunikation in den Sprachen Deutsch, Spanisch, Italienisch und Englisch.

2 Kommentare
  • Heike Muster

    9. Mai 2016 at 14:16

    Hi Sandra,

    da hast du aber ein paar nette Redewendungen zusammengefasst 🙂 Tolle Seite und Dienste die du da anbietest. Ich hatte in der Schule Englisch und Französisch aber man glaubt gar nicht, wie schnell man alles verlernt wenn man es nie braucht, spricht oder schreibt.

    Die lustigste Erfahrung war als ich einem Russen ein Dusch-WC verkauft habe . Ein englisches Verkaufsgespräch und ich wollte ihm erklären, dass sich die Spülung vorher und nachher betätigt und sagte zu ihm : It´s cleaning before and after und danach haben wir alle gelacht. Ich hab das leider zu schnell gesagt und als es schon draußen war, bin ich glaub ich etwas rot geworden 😀

    So das war mein Schmäh des Tages, viele Grüße aus Kapfenberg sendet Heike

    • Sandra Götz

      Sandra Götz

      9. Mai 2016 at 14:37

      Liebe Heike,

      danke für deine lustige Anekdote, die ist toll! Das ist ja das Schöne am Sprachenlernen: Wir haben dadurch viele tolle Geschichten zu erzählen. Man muss nur über sich selbst lachen können. 😉

      Sonnige Grüße nach Kapfenberg
      Sandra