Wie formuliert man Forschungsfragen und Hypothesen?

Wie formuliert man Forschungsfragen und Hypothesen?

Befindest du dich gerade auf der Zielgerade in Richtung Abschluss deines Studiums? Dann kennst du vermutlich das folgende Szenario: Du hast endlich ein Thema für deine Bachelor- oder Masterarbeit gefunden, das deine Neugier geweckt hat und für das du so richtig brennst. Gratuliere, dann ist die Basis für einen Erfolg deiner Abschlussarbeit bereits gelegt.

Übrigens: Weißt du, was Einstein über sich selbst gesagt hat?

"Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig." Einstein

Aber nun zurück zu dir: Du möchtest also voller Tatendrang am liebsten gleich loslegen. Das Einzige, das dich noch vom Schreiben abhält: Du brauchst eine gute Forschungsfrage inkl. zugehöriger Hypothesen.

Im vorliegenden Artikel erfährst du, was Forschungsfragen und Hypothesen überhaupt sind, wie man diese formuliert und welche Tipps wir dir sonst noch mit auf den Weg geben können.

 

Tipps für die Suche nach der richtigen Forschungsfrage

Der erste Tipp: Auf der Suche nach deiner Forschungsfrage solltest du nichts überstürzen und dir diese wirklich gut überlegen. Denn sie bildet sozusagen das Grundgerüst deiner Arbeit und hält dir dein Ziel vor Augen. Je gezielter und überlegter du hier vorgehst, desto leichter fällt in weiterer Folge das Verfassen deiner Arbeit. Indem du dein Thema mithilfe einer Forschungsfrage eingrenzt, sparst du nämlich auch einiges an (unnötiger) Arbeit.

Außerdem wichtig: Deine Forschungsfrage sollte dich tatsächlich interessieren, denn du wirst viel Zeit für die Beantwortung ebendieser aufwenden. Je neugieriger du selbst auf die Ergebnisse deiner konkreten Forschung – also auf die Beantwortung deiner Forschungsfrage – bist, umso leichter wird dir die Arbeit von der Hand gehen. Denke an Einstein.

Die Suche nach der richtigen Forschungsfrage ist also zentral – sie ist vermutlich sogar die wichtigste Phase während des Verfassens deiner Abschlussarbeit. Mach dir das unbedingt bewusst. Aber sobald du einmal weißt, in welche Richtung du ungefähr gehen möchtest, ist die Formulierung der Forschungsfrage gar nicht mehr so schwer. Die Herausforderung besteht dann vielmehr darin, diese so einfach wie möglich zu formulieren.

 

Was ist eine gute Forschungsfrage?

Du weißt, dass du eine gute Forschungsfrage gefunden hast, wenn diese

a) beantwortbar ist: Gibt es geeignete Daten/Materialien/Methoden etc., um meine Frage zu beantworten?
b) relevant ist: z. B. weil diese Frage noch niemand (ausreichend) beantwortet hat.

Wer? Wie? Was? Wo?

 

Bedeutung und Funktion deiner Forschungsfrage

Im Anschluss zeigen wir dir, welche Forschungsfragen und Hypothesen es gibt und geben dir Beispiele. Aber zunächst möchten wir dich noch einmal davon überzeugen, warum die zentrale Forschungsfrage deiner Arbeit sowie die davon abgeleiteten Hypothesen so essenziell sind und nicht zuletzt dir selbst unglaublich helfen:

  • Sie grenzen dein Thema ein, trennen also Wichtiges von weniger Wichtigem.
  • Sie bestimmen das Erkenntnisinteresse und „rechtfertigen“ folglich deine Arbeit.
  • Sie sind richtungsweisend und dienen dir als Orientierungspunkt.
    Kurz: Sie zeigen dir, wohin du willst und welche Arbeitsschritte du bis zu deinem Ziel durchlaufen musst.
  • Wenn du auf Unklarheiten stößt oder Gefahr läufst, das Thema aus den Augen zu verlieren, kehre immer zu deiner Forschungsfrage und deinen Hypothesen zurück.
  • Sie zeigen nicht nur dir selbst, sondern auch deinen LeserInnen, wo der inhaltliche Fokus deiner Arbeit liegt und sind dein roter Faden.
  • Sie schränken deinen Arbeitsaufwand ein und schützen dich vor einem nicht zu bewältigenden Maß an Arbeit, z. B. durch eine zeitliche oder geografische Einschränkung.

 

Berücksichtige: Während die Forschungsfrage sowie die Hypothesen bei der quantitativen Forschung eine zentrale Rolle spielen, dienen sie bei einem qualitativen Forschungsvorhaben „nur“ als untergeordnete Annahme und Arbeitshypothese.

 

Wie findet und formuliert man die richtige Forschungsfrage?

Die erste Frage, die du dir stellen solltest, lautet vielmehr: Wann formuliere ich meine Forschungsfrage? Du kannst dir nämlich erst konkrete Gedanken zu deiner Forschungsfrage und zu deinen Hypothesen machen, wenn du den Forschungsstand zu deinem Thema ermittelt hast, bereits bestehende Theorien kennst sowie das Erkenntnisinteresse der ForscherInnen nachvollziehen kannst.

Vor dem Formulieren der Forschungsfrage steht dir also die Aufgabe bevor, mit besonders offenen Augen und einer ungetrübten Neugier eine (Literatur-)Recherchephase zu durchlaufen und den aktuellen Stand der Forschung schriftlich festzuhalten. Wenn du im Rahmen deiner (Literatur)-Recherche Forschungslücken entdeckt hast und bestehende Theorien kennst, kannst du in Anlehnung daran deine Forschungsfragen formulieren.

In diesem Zusammenhang lautet der wichtigste Tipp: Je genauer und enger die Frage formuliert ist, desto übersichtlicher wird das Thema.

Forschungsfragen sollten: 1

  • präzise formuliert sein (verwende eindeutige Begriffe, keinesfalls vage Formulierungen).
  • offen verfasst sein (verwende sogenannte W-Fragen: Wie? Was? Welche? Warum? Vermeide Ja-Nein-Fragen).
  • keine Widersprüche oder Tautologien enthalten (Tautologien sind inhaltliche Wiederholungen, z. B. „voll und ganz“ -> beide Begriffe sagen dasselbe aus)
  • beantwortbar sein.
  • die folgenden empirischen Geltungsbedingungen enthalten: Zeit, Ort, Gegenstand/Objekt, Personengruppe etc.
  • keine Behauptungen beinhalten.
  • operationalisierbar sein (messbar/überprüfbar).

 

Zugegeben, das alles klingt nun erstmal sehr abstrakt. Die folgende Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten und insbesondere die Beispiele zeigen dir aber, wie du deine Forschungsfragen konkret formulieren kannst.

 

Verschiedene Arten von Forschungsfragen inkl. Beispielen 2

Tabelle mit Beispielen

1 Vgl. Dahinden/Sturzenegger/Neuroni (2006), S. 58 ff.; Atteslander (1992), S. 64 ff.
2 Nienhüser/Magnus (1998), S. 6.

 

Wie formuliert man Hypothesen?

Hypothesen sind im Grunde Aussagen, die empirisch überprüfbar sind, und eine vorläufige Antwort auf deine Forschungsfragen geben. Sie müssen aus zwei Variablen/Merkmalen bestehen, die miteinander verknüpft sind.

1. Ungerichtete Hypothesen beschreiben einen Zusammenhang/eine Beziehung:
Beispiel: „Der Bildungsstand einer Person hängt mit der Internetnutzung zusammen.“

2. Gerichtete Hypothesen (Kausalität) beinhalten neben der Beziehung zusätzlich eine zeitliche Komponente:
Beispiel: „Wenn jemand über einen hohen Bildungsstand verfügt, dann ist die Internetnutzung niedriger.“

3. Gerichtete Hypothesen (Quantifizierung) enthalten eine Richtung sowie eine gleichmäßige,
quantitative Steigerung:
Beispiel: „Je höher der Bildungsstand, desto geringer ist die Internetnutzung.“

Hypothesen sollten möglichst viele Geltungsbedingungen wie zeitliche, geografische oder personen-/objektbezogene Beschränkungen enthalten, wodurch sie inhaltlich konkretisiert werden. Darüber hinaus fällt dadurch das Formulieren von Ergebnissen am Ende der Arbeit auch leichter.

Checkliste für die richtige Gestaltung von Hypothesen:
Sie sollten:

  • eine Aussage, keine Wertung sein.
  • zusammen mit den Forschungsfragen in der Einleitung vorgestellt werden.
  • so prägnant wie möglich verfasst werden.
  • keine Prognosen über die Untersuchungsergebnisse enthalten.
  • empirische Geltungsbedingungen (zeitlich, geografisch, personal) beinhalten.

 

Abschließende Tipps:

In deiner Einleitung musst du die Forschungsfrage und etwaige Hypothesen vorstellen und deren Relevanz begründen. Hier beantwortest du also die Frage: Warum ist das wichtig? Du darfst in der Einleitung allerdings noch keine Ergebnisse vorwegnehmen.

Beantworte deine Forschungsfrage ausführlich im Schluss deiner Arbeit und bestätige (verifiziere) oder widerlege (falsifiziere) hier deine Hypothesen.

Quellen:

  • Atteslander, Peter (1992): Methoden der empirischen Sozialforschung, Berlin [u.a]: Walter de Gruyter.
  • Dahinden, Urs/Sturzenegger, Sabina/Neuroni, Alessia C. (2006): Wissenschaftliches Arbeiten in der Kommunikationswissenschaft, Bern: Haupt.
  • Nienhüser, Werner/Magnus, Marcel (1998): Die wissenschaftliche Bearbeitung personalwirtschaftlicher Problemstellungen. Eine Einführung. In: Essener Beiträge zur Personalforschung, 4/1998, URL = https://www.uni-due.de/apo/Proseminar.PDF, Stand: 08.02.2016.
Katrin Zulechner

Katrin Zulechner

katrin.zulechner@lingarts.com

Katrin ist Expertin in der Media- und Kommunikationsberatung. Bei LingArts kümmert sie sich mit viel Herzblut um das Marketing und die Kundenberatung.

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