Wissenschaftlich schreiben: klar & präzise – Wie geht das?

Wissenschaftlich schreiben: klar & präzise – Wie geht das?

Die Mehrheit der Studierenden begeht beim wissenschaftlichen Schreiben genau diesen Fehler: Nach dem Lesen zahlreicher Fachbücher denken sie, das Ziel liege darin, ihre Ideen durch komplizierte Phrasen sprachlich möglichst gut aufzublasen. Auch du befürchtest, so „geschraubt” und „hochgestochen” formulieren zu müssen? Dann kann ich dich an dieser Stelle beruhigen – völlig falsch! Wissenschaftliche Texte sollen vor allem eins sein: verständlich!

Halte es wie der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Karl R. Popper: „Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann.”

Im heutigen Blogbeitrag findest du die wichtigsten Tipps zum wissenschaftlichen Formulieren. Falls du dich für ein Lektorat deiner Abschlussarbeit entscheidest, erhältst du übrigens immer auch Feedback zu den nachstehenden Punkten.

Tipps Wissenschaftlich Schreiben

 

1. Schreibe verständlich

Um Zusammenhänge plausibel zu vermitteln, ist eine verständliche Schreibweise wesentlich. Jeden Satz, den dein Leser möglicherweise nicht auf Anhieb verstehen kann, solltest du umformulieren. Berücksichtige beim Schreiben stets auch das Vorwissen deines Zielpublikums: Wer wird deinen Text lesen? Was wissen deine LeserInnen bereits und was musst du erklären?

Kurze Sätze erhöhen die Verständlichkeit und den Lesefluss. Daher lautet eine wichtige Leitregel: Lange, komplizierte Schachtelsätze vermeiden! Konkret bedeutet das: Zerlege jeden Satz, der sich in 2 oder mehrere Sätze aufgliedern lässt!

Die leichte Erfassung deiner Inhalte ermöglichst du u. a. durch:

  • treffende Wörter
  • einen übersichtlichen, nicht zu komplexen Satzbau und
  • eine angemessene Anzahl an Fremdwörtern
    (stopfe deinen Text nicht unnötig mit Fremdwörtern voll!)

 

2. Sei präzise, klar und deutlich

Verständlichkeit alleine reicht nicht aus – deine Formulierungen sollten auch präzise sein. Präzision bedeutet, dass du den Interpretationsspielraum so klein wie möglich hältst. D. h.: Vermeide mehrdeutige Formulierungen unbedingt, da sie die LeserInnen verwirren können. Je allgemeiner du formulierst, desto größer ist die Gefahr für Mehrdeutigkeit. Versuche daher, so spezifisch wie möglich zu schreiben.

Beispiele für ungenaue, unscharfe Ausdrücke sind:

  • etwa
  • ungefähr
  • irgendwie
  • vielleicht
  • eventuell
  • gewissermaßen
  • im Großen und Ganzen

 

Wenn genaue Angaben möglich sind, solltest du diese auch machen! Z. B.:

Beispiele einfach wissenschaftlich formulierenIm Idealfall bringst du Verständlichkeit und Präzision/Kürze in ein sinnvolles Verhältnis, nach dem Motto:

So ausführlich wie nötig, so kompakt & prägnant wie möglich!

 

 3. Formuliere ökonomisch/sparsam

Das Ziel einer wissenschaftlichen Arbeit ist, Informationen sprachökonomisch zu vermitteln. Geh mit der Zeit deiner potenziellen LeserInnen respektvoll um, indem du leere Phrasen, Redundanzen/Wiederholungen und Selbstverständlichkeiten vermeidest. Du darfst ruhig streng mit dir sein: Nimm dir abschließend Zeit und streiche gnadenlos alle Wörter und Sätze, die keinen wesentlichen inhaltlichen Beitrag leisten. Die Kernbotschaft soll allerdings erhalten bleiben.

Beispiele für beliebte, aber unnötige Sinnwiederholungen & leere Phrasen sind:

  • neue Innovation (eine Innovation ist immer neuartig!)
  • Einzelindividuum
  • potenzielle Möglichkeit
  • herausselektieren
  • nachrecherchieren
  • Testversuch
  • Zukunftsprognose
  • angestrebtes Ziel
  • bekanntermaßen
  • sowohl aus der Sicht von A als auch aus der Sicht von B

 

Verwende möglichst einfache und konkrete Wörter, z. B.:

Beispiele wissenschaftlich schreiben

 

 

 

 

 

 

 

 

Viele Studierende setzen in wissenschaftlichen Arbeiten den Nominalstil ein, um seriöser zu klingen. Oftmals erschweren genau diese Nominalisierungen aber den Lesefluss enorm und deine LeserInnen fühlen sich unnötig herausgefordert. Meine Empfehlung lautet, leserfreundlich zu schreiben. Das bedeutet, auf überflüssige Substantive/Nomen zu verzichten. Tipp: Besonders leicht lassen sich Nomen, die auf „-ung” enden, auflösen. Denn dies sind meist getarnte Verben, z. B.:

Beispiele wissenschaftlich schreiben Nomen

 

FriedenBeherzige diese Tipps konsequent, dann bist du auf dem richtigen Weg zur stilsicher und verständlich formulierten Abschlussarbeit. Du bist dennoch unsicher und wünscht dir einen professionellen Blick auf deine Bachelor- oder Masterarbeit? Wenn du eine kurze Textprobe an mich sendest und mir die Wortanzahl deiner Arbeit nennst, erhältst du ein unverbindliches Angebot für ein Lektorat.

Sandra Götz

Sandra Götz

sandra.goetz@lingarts.com

Sandra ist Inhaberin von LingArts und arbeitet hauptberuflich mit der wunderschönen Welt der Sprachen und der Kommunikation. Als Dolmetscherin, Sprachtrainerin und Lektorin sorgt sie für eine reibungslose Kommunikation in den Sprachen Deutsch, Spanisch, Italienisch und Englisch.

Keine Kommentare

Sorry, the comment form is closed at this time.