Richtig gendern: Regeln und Richtlinien für wissenschaftliches Arbeiten

Richtig gendern: Regeln und Richtlinien für wissenschaftliches Arbeiten

„Heimat großer Töchter und Söhne“ – seit Ende 2011 ist dies offiziell der neue Wortlaut der österreichischen Bundeshymne. Kaum ein anderes sprachbezogenes Thema lässt die Wogen derart hochgehen. Die Verfechter der geschlechtssensiblen Sprache freut diese Entwicklung, die Gegner sprechen von unnötiger Verkomplizierung der Sprache.
Vor allem in wissenschaftlichen Arbeiten wie Bachelor- und Masterthesen oder Dissertationen ist das Gleichstellen beider Geschlechter jedoch unbedingt erforderlich und wirkt sich auch auf die Benotung aus. Im vorliegenden Beitrag werden deshalb die vier gängigsten Gender-Varianten für wissenschaftliche Texte vorgestellt, die sowohl Frauen als auch Männer als AdressatInnen berücksichtigen.

Eine Waage mit einem Mann und einer Frau - Gendern

 

1. Die vollständige Paarform

Die vollständige Paarform ist die klassische Langform, um beide Geschlechter sichtbar zu machen. Bei dieser Variante erfolgt eine Verbindung durch die Konjunktion „und“, die weibliche und die männliche Form werden hier vollständig ausgeschrieben.

Studentinnen und Studenten

 

2. Die verkürzte Paarform

Diese Variante sieht vor, dass die weibliche und die männliche Form durch einen Schrägstrich getrennt werden. Die Artikel stehen vor dem jeweiligen Nomen und werden nicht zusammengezogen.

Beispiel_verkürzte Paarform

 

3. Zusammenziehen mit Binnen-I

Eine weitere gängige Art des Genderns stellt das Binnen-I dar. Ein großgeschriebenes „I“ im Inneren des Wortes wird hier dazu verwendet, die weibliche und die männliche Form zusammenzuziehen. Diese Variante kann jedoch nur angewendet werden, wenn die weibliche Form auf „-in“ endet.

SchülerInnen

 

4. Zusammenziehen mit Schrägstrich

Wenn sich beide Bezeichnungen nur durch ihre Endung unterscheiden, können diese mittels Schrägstrich zusammengezogen werden. Hier werden der männliche Artikel sowie die männliche Personenbezeichnung zuerst genannt. Diese Variante ist platzsparend, sie erschwert jedoch die Lesbarkeit des Textes. Deshalb wird diese Form des Genderns nicht für lange, umfassende Arbeiten empfohlen.

ein/e Mitarbeiter/in

Bei dieser Variante ist besondere Vorsicht geboten, da durch den Schrägstrich oft falsche Wortkombinationen kreiert werden.

Richtig: Kolleg/inn/en; Falsch: Kollegen/innen

 

Generell gilt:

  • Die weibliche Form wird immer vor der männlichen genannt
    (Ausnahme: Zusammenziehen durch Schrägstrich und Binnen-I).
  • Sofern Titel, Vorname oder Beruf der Personen erwähnt werden, ist dies im Sinne der Gleichstellung bei beiden Geschlechtern einheitlich zu verfolgen.
  • Um die Einheitlichkeit des Textes zu gewährleisten, sollte eine Variante gewählt und im ganzen Text durchgehend verwendet werden.

 

Geschlechtsneutrale Formulierungen

Eine Möglichkeit, die ganze Gender-Geschichte zu vereinfachen, ist das Neutralisieren des Geschlechts. Bei einer geschlechtsneutralen Formulierung kann man nicht erkennen, ob von einer weiblichen oder männlichen Person die Rede ist.

die Person, die Personen

Geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen können auch durch einfache Pluralbildung erreicht werden. Während im Singular noch mittels Artikel differenziert wird, fällt dies im Plural weg.

Beispiel_Geschlechtsneutral_Plural

Katrin Zulechner

Katrin Zulechner

katrin.zulechner@lingarts.com

Katrin ist Expertin in der Media- und Kommunikationsberatung. Bei LingArts kümmert sie sich mit viel Herzblut um das Marketing und die Kundenberatung.

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